Offiziell nennt sich das Land "Demokratische Sozialistische Republik von Sri Lanka". Die Regierung wird von einem demokratisch gewählten Präsidenten geleitet. Ein Parlament, bestehend aus 196 Mitgliedern bildet den legislativen Körper des Landes. Jedoch findet ein Großteil der gesetzgebenden Prozesse auf lokaler Ebenen statt. Sri Lanka verfügt - ähnlich wie Großbritannien - über ein kostenloses nationales Gesundheitssystem für alle Bürger. Allerdings ist dieses Gesundheitssystem generell nicht besonders gut entwickelt und finanziell schlecht ausgestattet. Statt moderner Medizin werden auch heute noch häufig traditionelle Formen der Krankheitsbehandlung bevorzugt.

Ein Leben in Armut

Sri Lanka ist ein Entwicklungsland mit einem sehr niedrigen Bruttoszialprodukt von ungefähr 750 Euro pro Person. An Rohstoffen exportiert das Land hauptsächlich Produkte wie Reis, Tee, Kokosnuß und Gummi. Diese unverarbeiteten Rohstoffe werden in andere Länder verschifft. Eine großes Heer von Landarbeitern wird benötigt, um diese Produkte liefern zu können. Über 50 Prozent der Arbeiter in Sri Lanka widmen sich der Kultivierung der natürlichen Resourcen. An die 1.800 tamilische Pflanzer wurden zu Kolonialzeiten von Indien ins Land gebracht, um bei dieser Aufgabe zu helfen und ihre Nachkommen fristen noch heute ein Dasein als Tagelöhner. Die Mehrheit der Arbeiter leben in Armut in isolierten Gemeinden ohne direkten Zugang zum Wasser. Die meisten ringen um Nahrungsmittel, da sie den Großteil ihrer Energie auf Exportprodukte konzentrieren statt lebenswichtige Nahrungsmittel für das eigene Dasein zu produzieren. Ein veraltetes und verrottetes Eisenbahnsystem und nicht oder schlecht asphaltierte Straßen (nur ungefähr ein Drittel sind asphaltiert) machen es schwierig, die Waren über Land zu transportieren. So müssen sich die Farmer auf Mittelsmänner verlassen, die ihre Ernte zum Verkauf in die großen Städte transportieren. Dies verursacht zusätzliche Kosten, die das ohnenhin magere Einkommen schmälern. Den größten Teil der Deviseneinnahmen erwirtschaftet die Textilindustrie, 75 Prozent der Einnahmen stammen aus diesem Bereich. Damit hat sich das Land innerhalb kürzester Zeit völlig abhängig gemacht von der Textilindustrie, was natürlich große Gefahren in sich birgt.

Ethnische Gruppen

Ethnik ist eine zentrale Facette der Dynamik Sri Lankas. Barrieren von Rasse und Religion teilen das Land in vielfältiger Weise. Es gibt zwei Haupt-Völkergruppen - die singhalesische Mehrheit (74%) und die tamilische Minderheit (18%). Sogar innerhalb dieser zwei Gruppen gibt es Spaltungen zwischen städtischen und ländlichen Einwohnern. Die Singhalesen sind generell Buddhisten, während die Tamilen, deren Vorfahren aus Indien stammen, meist Hindus sind. Es gibt aber auch zahlreiche Tamilen die den katholischen Glauben angenommen haben.

Die Kasten behinderten den Fortschritt

Wie viele andere östliche Länder - insbesondere das nahegelegene Indien - war Sri Lanka Jahrhunderte lang gefangen in einem Kastensystem, das den Fortschritt sehr lange behindert hat und teilweise noch heute behindert. Neben den ethnischen Differenzen erschwert dieses Kastensystem das Zusammenleben der verschiedenen Völkergruppen. Ganz oben im sozialen System stehen die Geschäftsleute und die Gebildeten. Unten stehen die Arbeiter und insbesondere Gruppen die schmutzige Arbeiten verrichten. So werden zum Beispiel Fleischer (wovon die Selbständigen bei uns eher wohlhabend sind) meist verachtet. Ähnliches gilt für die Fischer, von deren Leben (Freiheit auf dem Meer und einen geruhsamen Alltag) wir ja auch meist eine völlig falsche Vorstellung haben. Die höheren Kasten halten es für unsauber, Umgang mit den unteren Kasten zu haben. Das ging sogar so weit, daß Werkzeuge nicht gemeinsam benutzt werden konnten. Dieses System verblaßt allmählich, insbesondere in den ländlichen Gegenden, wo Leute gezwungen sind in engem Kontakt zueinander zu stehen. Aber die Wurzeln von Diskriminierung sind über die Zeit tief gewachsen und noch längst nicht gänzlich ausgerissen. Wer sich davon überzeugen will braucht sich nur einmal in einen Bus oder Zug zu setzen. Er wird kaum jemanden einer höheren Klasse dort antreffen - und äußerst selten einen Weißen.

. . . und wer war zuerst da?

Historiker haben bis heute keinen endgültigen Beweis dafür gefunden, daß die eine oder andere Gruppe der Einwohner vor der anderen da war. Bedauerlicherweise ist diese Frage auch heute noch ein Grund für Konflikte zwischen den beiden Gruppen. Die Singhalesen führen ihre Mehrheit als Beweis an für das Recht, die Insel zu beherrschen. Sie haben auch antike buddhistische Schreine, die in die Felsen der Insel gemeißelt wurden. Die Tamilen fühlen sich als die einheimischen Bewohner durch mündlich überlieferte Historie. Sie sagen, die Singhalesen seien auf der Insel eingefallen und hätten das Land und seine Menschen übernommen.

Sozialer Sprengstoff

Die offizielle Sprache die in der Regierung benutzt wird, ist singhalesisch. In dem Bemühen um ein Gefühl der sozialen Fairneß wurde tamilisch 1987 offiziell mit singhalesisch gleichgestellt. Englisch wird von einem großen Teil der Bevölkerung mehr oder weniger gut gesprochen. Soziale Ungleichheit ist jedoch immer noch sehr weit verbreitet. Die indischen Tamilen in den Bergregionen des Hochlandes sind sehr arm und kaum gebildet im Vergleich zu den Singhalesen. Weil die Tamilen schon immer der Bildung und Erziehung sehr große Bedeutung beimaßen, stellten sie früher 50 % der Medizinstudenten. Doch dann erließ die Regierung an den Schulen und Universitäten eine Art Numerus Clausus für Tamilen. Bis vor wenigen Jahren wurden Tamilen, deren Vorfahren indische Tamilen waren, die als Plantagenarbeiter nach Sri Lanka gebracht wurden, noch nicht einmal offiziell als Einwohner Sri Lankas anerkannt. In Anbetracht der zunehmenden sozialen Ungerechtigkeit sahen einige Tamilen nur noch den Terror als Ausweg. Dies verursachte den Verlust von Tourismuseinnahmen, nutzbarem Agrarland, ausgebauten und sicheren Straßen und anderen Reisewegen und ein Gefühl von Unsicherheit in der eigenen Heimat.

Ende des Bürgerkrieges

Mit einem riesigen militärischen Aufgebot begann Anfang 2009 die Rückeroberung der Landesteile, die bis dahin von der Untergrundorganisation LTTE beherrscht wurden. Im Mai 2009 wurde der Bürgerkrieg offiziell für beendet und die Kämpfer der LTTE als besiegt erklärt. Der Rebellenführer wurde getötet. Der Präsident erklärte, er wolle die Aussöhnung der Regierung mit den Tamilen erreichen. Ob sich die Lage für die tamilische Bevölkerung wirklich verbessert und ob sie wirklich an der politischen Entwicklung des Landes beteiligt werden, bleibt abzuwarten.